Rügen im Frühling

18.05.2009 23:41

Es war ein Traum - strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, blühende Rapsfelder, eine wunderschöne Küstenlandschaft und eine nette Crew mit interessanten, witzigen und geistreichen Geschichten sowie ein schönes komfortables Schiff.

Am Samstag verließen wir Stralsund, passierten zunächst die neue imposante Rügenbrücke und die Ziegelgrabenbrücke mit Ziel Seedorf. Bei spiegelglatter See brauchten wir zunächst den Motor. Auf dem Greifswalder Bodden segelten wir gemächlich in den Nachmittag. Später ging es zwischen der Insel Vilm und Lauterbach hindurch in Richtung Seedorf - einem traumhaften Boddendorf. Die Einfahrt findet man ohne Betonnung nach der Karte und mit den Lot- schön in der Mitte bei 2m Wassertiefe bleiben... Bei dem schönen Wetter waren bereits viele Yachten im Hafen und mit dem großen Schiff war es schwierig einen Platz zu finden. Längsseits des schön restaurierten Kutter Seedüwel vom Hafenmeister war ein wunderbarer Liegeplatz. Die Crew hatte die Anfahrt auf den Hafen bereits genutzt, um ein köstliches Spargelessen zu zaubern. Dem Essen folgte ein Bummel durch das malerische Dorf. An einem der Reetdachhäuser luden uns die netten Anwohner sogar auf ein Grillwürstchen ein. Den späteren Abend verbrachten wir bei einer Caipirinha auf der Terrasse eines der geschmachvoll eingerichteten Hafenrestaurants. Zur Krönung des Abends erwartete uns ein grandioser Sternenhimmel, von dessen geheimnisvollen Anblick wir uns lange nicht trennen konnten. 

Sonntag nach dem Bad im Bodden inmitten blühender Rapsfelder und dem Frühstück mit frischen Brötchen vom Bäcker ging es bei wenig Wind unter Segeln wieder aus der Having und durch den Bodden um das Südperd. Ein Segler lang bereits auf einer Umtiefe auf Grund und kämpfte mit dem Schlepper. So achteten wir umso genauer auf die Navigation.
Hinter dem Südperd jagte uns heftiger Wind.  Dann ging es gemütlicher an Sellin, Binz und Sassnitz vorbei bis zur Stubbenkammer. Hier fingen wir die letzten Windlüftchen mit dem Schmetterling ein. Die vielen plötzlich  im Wasser auftauchenden Rosen zeigten uns, dass hier gerade ein Seemann sein Grab gefunden hatte. Kurz hinter der Stubbenkammer machten wir im Hafen Lohme fest. Der Hafen war wegen schwerer Küstenabbrüche im Winter bis zum Vortag gesperrt gewesen. Wir hatten Glück und konnten den berühmten Sonnenuntergang, von dem schon Gerhard Hauptmann und Elisabeth von Arnim in Ihren Büchern schwärmten, bei einmaligem Wetter in aller Herrlichkeit bewundern. Nicht umsonst stehen auf dem Parkplatz Schilder mit der Aufschrift: "Küssen auf eigene Gefahr. Eltern haften für Ihre Kinder". 

Am frühen Montagmorgen - die Crew schlief noch, segelten wir zurück zur Stubbenkammer. Vor dem Königstuhl - dem wohl berühmtesten Kreidefelsen der Ostseeküste erwartete uns beim Backliegen ein langes und ausgiebiges Früchstück im Sonnenschein.
Irgendwann mussten wir den schönen Ort verlassen und segelten weiter nach Norden um Kap Arkona. Das Kap der Stürme zeigte sich sehr gnädig. Allerdings frischte kurze Zeit darauf der Wind auf 7 Bft auf. Nun konnte unsere Bavaria 46 zeigen, was in ihr steckt. Vor Dranske ging es mit Raumwind in Richtung Hiddensee. Nur mit Genua segelten wir noch immer mit 9 Knoten gen Süden. Genaues Navigieren  in den flachen Gewässern forderte die ganze Aufmerksamkeit. Nach dem Festmachen und dem Anleger am Pier brachen wir zu einem Spaziergang zum Dornbusch auf - der Erhebung auf der Insel. Der Weg dorthin führte an blühendem Ginster entlang und machte Appetit auf ein Abendessen im Inselblick. Ein Absacker im Hitthim - dem wohl ältesten Restaurant der Insel erinnerte an viele Berühmtheiten von Asta Nielsen bis Albert Einstein, die einst hier Urlaub machten. 

Am Dienstag ging es morgens zügig unter Segeln nach Stralsund. Die alte Hanseastadt lockt mit wunderschön restaurierten Backsteinhäusern, urigen Kneipen und seit dem Sommer 2008 mit dem neu eröffneten Meeresmuseum. Riesige Aquarien, beeindruckende Animationen, hochinteressante Austellungen und gigantische Walplastiken  gewähren unvergessliche Eindrücke in die Welt der Ostsee und der Meere der Welt in einem der schönsten Museen Europas.

Auf dem langen Schlag nach Warnemünde  forderten uns 5..6 Bft und bewegte See. Zunächst ging es mit aufmerksamer Navigation durch die flachen Fahrwasser des Strelasundes vorbei an Barhöft, wo die Bagger emsig am Ausbau der Schifffahrtsstraße bauten. Auf dem offenen Meer segelte die El Shalom mit Raumwind zügig dem Ziel entgegen. Wir passierten Darßer Ort und erzählten einander allerlei Seemannsgarn. Draußen auf der Schifffahrtsstraße zogen Fähren und Frachtschiffe vorbei. Schon bald konnten wir die Silhouette von Warnemünde erkennen. Die 65 Seemeilen vergingen wie im Flug. Während die Sonne den Himmel über dem Meer zum Abend mit leuchtenden Rot- und Blautönen überzog steuerten wir den Yachthafen Hohe Düne an.

Wir hatten unvergessliche Tage auf dem Meer verbracht. An das satte Gelb der Rapsfelder auf Rügen, das gleißende Weiß der Kreidefelsen in der Morgensonne, das intensive Farbspiel des Abendhimmels vor Warnemünde, den glutroten Sonnenuntergang in Lohme, den blinkenden Sternenhimmel in Seedorf  sowie das Gefühl von Freiheit auf See werden wir uns noch oft und gern erinnern. Als die Crew an Bord ging, hatten sich die meisten Crewmitglieder nie zuvor gesehen. Nach kurzer Zeit auf dem Schiff waren Freundschaften entstanden, die lange Bestand haben werden.

KK


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